{"id":240,"date":"2022-06-21T16:48:29","date_gmt":"2022-06-21T14:48:29","guid":{"rendered":"https:\/\/www.wem-gehoert-der-fussball.de\/?p=240"},"modified":"2022-06-21T16:48:29","modified_gmt":"2022-06-21T14:48:29","slug":"vom-rekord-zum-serienmeister","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.wem-gehoert-der-fussball.de\/?p=240","title":{"rendered":"Vom Rekord- zum Serienmeister"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der FC Bayern hat geschafft, woran PSG und Juventus Turin gescheitert sind: zehn Mal in Serie Meister werden. W\u00e4hrend den Parisern in der Saison 2016\/17 Monaco und 2020\/21 Lille den Rang abliefen, endete die Serie der \u201ealten Dame\u201c nach neun Titeln in der Saison 2020\/21 durch den Erfolg von Inter Mailand.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Doch in der Bundesliga liegen die letzten Meisterschaften anderer Clubs schon zehn Jahre zur\u00fcck. Wir erinnern uns: 2011 und 2012 holte das damals von J\u00fcrgen Klopp trainierte Dortmund die Schale. Davor konnte Felix Magath mit Wolfsburg im Jahr 2009 und Armin Veh mit Stuttgart 2007 jubeln.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wer f\u00fcr die Saison 2022\/23 von einer Stuttgarter Meisterschaft tr\u00e4umt, der geht wohl besser zum Arzt. Der ganz gro\u00dfe Favorit auf den Titel ist der FC Bayern. Wir k\u00f6nnen dies auch mit Zahlen ausdr\u00fccken. Beim Wettanbieter <em>Bwin<\/em> bekommt man f\u00fcr eine 10\u20ac-Wette auf den elften bayerischen Titel gerade einmal 12\u20ac ausgezahlt, falls Manuel Neuer n\u00e4chstes Jahr erneut die Schale hochheben wird. Das ist eine Quote von 1.20 oder umgerechnet eine Titel-Wahrscheinlichkeit von rund 80% (= 100 \/ 1.2) zugunsten des Rekordmeisters. Wer stattdessen 10\u20ac auf Dortmund, Leipzig oder Leverkusen setzt, der bekommt im Fall der F\u00e4lle stattliche 60, 100 oder gar 410\u20ac ausgezahlt. Beim VfB Stuttgart sind es sogar 10&#8217;010 Euro.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nun sind Wettquoten so eine Sache. Man h\u00e4tte auch viel Geld verdient, wenn man vor einem Jahr auf den Sieg der Frankfurter Eintracht in der Europa League gewettet h\u00e4tte. Dort mussten die Adlertr\u00e4ger die Gruppenphase \u00fcberstehen und anschlie\u00dfend Achtel-, Viertel- und Halbfinale, bevor das Endspiel gegen die Rangers anstand. Wie wahrscheinlich war ein Titelgewinn? Daf\u00fcr kann man die Wahrscheinlichkeitsrechnung und ein paar grob gesch\u00e4tzte Zahlen verwenden: 70% f\u00fcr das \u00dcberstehen der Gruppenphase, 60% f\u00fcr ein Weiterkommen gegen Betis, 30% f\u00fcr ein Weiterkommen gegen Barcelona, 40% f\u00fcr ein Weiterkommen gegen West Ham und zum Schluss 50% Wahrscheinlichkeit eines Sieges im Endspiel. Macht etwa 2.5% Wahrscheinlichkeit auf den Titel.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Unwahrscheinliche Ereignisse sind also im modernen Fu\u00dfball nach wie vor m\u00f6glich. Aber es gibt einen bedeutenden Unterschied zwischen Bundesliga und Europa League: Letztere wird gr\u00f6\u00dftenteils im KO-Modus gespielt. F\u00fcr die Top-Clubs ist das unattraktiv, weil eine einzelne schlechte Leistung nicht so leicht kompensiert werden kann. Bayern M\u00fcnchen hat dies gegen Villareal in der Champions League und gegen Gladbach im DFB-Pokal erfahren m\u00fcssen. In der Bundesliga ist es jedoch anders. Eine \u00fcberraschende Niederlage gegen Augsburg spielt keine gro\u00dfe Rolle, weil die Punktezahl nach 34 Partien entscheidend ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Doch warum ist der FC Bayern <em>strukturell<\/em> so sehr der Bundesliga enteilt, dass eine elfte Meisterschaft so wahrscheinlich ist? Blicken wir dazu auf einige Statistiken. Der Umsatz des Rekordmeisters hat sich seit 2004 von 166 auf \u00fcber 700 Millionen Euro (vor Corona) erh\u00f6ht. Interessant ist der Vergleich mit den jeweiligen Meistermannschaften fr\u00fcherer Jahre:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>Im Jahr 2004 gewann Bremen den Titel. Der Umsatz der Hanseaten lag damals bei etwa 40% des damaligen Bayern-Niveaus.<\/li><li>Im Jahr 2007 holte Stuttgart den Titel. Mit 59% des Umsatzes von Bayern.<\/li><li>Im Jahr 2009 war Wolfsburg erfolgreich, mit einem Umsatz von 43% des Bayern-Niveaus.<\/li><li>In den Jahren 2011 und 2012 schlie\u00dflich konnte der BVB die Meisterschaft feiern. Der Umsatz der Dortmunder betrug damals etwa 47 bzw. 57% vom FC Bayern.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Blicken wir auf die aktuellen Umsatzzahlen der Bundesligisten, so ist Dortmund mit 323 Millionen im Verh\u00e4ltnis zu den Bayern (630 Millionen) also \u00e4hnlich konkurrenzf\u00e4hig wie Meisterclubs in der Vergangenheit. Das gilt allerdings nur relativ. In absoluten Zahlen klafft eine 307 Millionen Euro gro\u00dfe L\u00fccke. In der letzten Meistersaison 2012 betrug der Abstand nur 140 Millionen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein \u00e4hnliches Bild erhalten wir, wenn wir uns die Marktwerte der Clubs gem\u00e4\u00df <em>Transfermarkt.de<\/em> anschauen. In der Saison 2006\/07 stehen f\u00fcr den VfB Stuttgart 97 Millionen Euro zu Buche, beim FC Bayern hingegen 181 Millionen. Zwei Jahre sp\u00e4ter war der Marktwert des VfL Wolfsburg mit 138 Millionen ebenfalls deutlich niedriger als jener des FC Bayern mit 236 Millionen. Und die Meistermannschaften von J\u00fcrgen Klopp errangen den Titel mit 170 beziehungsweise 216 Millionen Marktwert \u2013 substanziell weniger als der M\u00fcnchener Kader, welcher mit 309 und 356 Millionen taxiert wurde. Relativ zu den Bayern lagen die Marktwerte der Meistermannschaften also bei 54 bis 61 Prozent. In dieser Hinsicht stehen Dortmund (70%) und Leipzig (58%) heute keineswegs schlecht da.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Weder der BVB von RB Leipzig k\u00f6nnen Geh\u00e4lter zahlen wie der FC Bayern. Die aktuellen Zahlen der DFL zu den Personalaufw\u00e4nden im Gesch\u00e4ftsjahr 2021 zeigen, dass M\u00fcnchen mit 373 Millionen Euro viel mehr zahlte als Dortmund (216) oder Leipzig (169). Doch das war vor zehn Jahren kaum anders.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Warum ist es also so unwahrscheinlich, dass die Meisterschale n\u00e4chste Saison nach Dortmund oder Leipzig geht? Blicken wir erneut auf die 80% Wahrscheinlichkeit f\u00fcr eine elfte bayerische Meisterschaft. Nimmt man dies als Grundlage, so geht die Schale in zwei von zehn Jahren nicht an den Rekordmeister. Die Serie der M\u00fcnchener geht also statistisch schon recht lange. Zehn Titel in Serie sind unwahrscheinlich, wenn Bayern jede Saison eine 80-prozentige Titelchance hat. Genau genommen sind es nur 11%, dass es dazu kommt (= 0.8^10).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und tats\u00e4chlich h\u00e4tte Dortmund die Serie 2019 beenden k\u00f6nnen, vielleicht sogar m\u00fcssen. Am Ende fehlten dem Team von Thomas Tuchel nur drei Punkte. Ein 2:4 gegen abstiegsbedrohte Schalker am 31. Spieltag und ein 2:2 gegen Bremen am 32. Spieltag \u2013 wo man bis zur 70. Minute 2:0 f\u00fchrte \u2013 beendeten den Dortmunder Traum auf den Titel.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bayerns Weg vom Rekord- zum Serienmeister war und ist also keineswegs vorgezeichnet. Durch gutes Management ist der M\u00fcnchener Vorzeigeclub strukturell aufgestiegen, hat heute hunderte Millionen Euro mehr Umsatz als die Konkurrenz. Doch \u00dcberraschungen gibt es immer noch. Auch nach zehn Meisterschaften in Serie k\u00f6nnen wir nicht ausschlie\u00dfen, dass die Schale n\u00e4chstes Jahr einen neuen Besitzer findet.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Quellen:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"https:\/\/sports.bwin.de\/de\/sports\/fu%C3%9Fball-4\/wetten\/deutschland-17?tab=outrights\">Bwin<\/a> (Juni 2022)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"https:\/\/www.dfl.de\/de\/ueber-uns\/publikationen\/dfl-report-archiv\/\">DFL Wirtschaftsreport 2022<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der FC Bayern hat geschafft, woran PSG und Juventus Turin gescheitert sind: zehn Mal in Serie Meister werden. 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